Cannabis als Antibiotikum?

Am Anfang meiner Ausführungen möchte ich auf die geschichtliche Entwicklung der Antibiotika eingehen. Im Jahr 1893 isolierte Bartolomeo Gosio Mycophenolsäure aus dem Schimmelpilz Penicillium. Gosio stellte fest, dass das kristalline Penicillium Isolat Milzbranderreger am Wachstum hindert. Ungefähr dreißig Jahre bevor der offizielle Erfinder des Penicillin Alexander Fleming dieses wiederentdeckte, verfasste der französische Militärarzt Ernest Duchesne seine Doktorarbeit über das Thema Schimmelpilze und seine antibiotische, sprich Bakterien abtötende Wirkung. Sogar ein weiterer Wissenschaftler Paul Ehrlich forschte und veröffentlichte schon im Jahr 1910 seine Thesen über das Schmalspektrum-Antibiotikum Arsphenamin. Dieses nicht auf Schimmelpilzen beruhende, sondern auf Farbstoffen basierende Antibiotikum wurde gegen Syphilis eingesetzt. Als die Forschungsmittel unter anderem nach Kapitalisierungsmöglichkeiten der Endprodukte vergeben wurden,  rückten an den Universitäten die Naturheilmittel leider immer weiter in den Hintergrund und man priorisierte die Forschung an teilsynthetischen oder synthetischen Ersatzstoffen. Man versprach sich davon eine viel bessere Anwendbarkeit und Wirkung. Das ist nach meiner Auffassung eine ideologische Einstellung und hat mit der Realität wenig zu tun. Ich bitte sie in diesem Zusammenhang meinen Artikel „Cannabis – Verbote damals und Rekultivierung heute“ (Hanf-Blog 13.08.2018) zu lesen. Hier gehe ich darauf ein, wie und vom wem die allgemeine Schulmedizin bis heute geprägt wurde.

Neben Raphael Mechoulam (Israel) gab es auch deutsche Wissenschaftler, welche sich mit der Wirksamkeit von Hanf beschäftigten und hervorragende Studien veröffentlichten. Die beiden Forscher O.-E. Schultz und G. Haffner vom Pharmazeutischen Institut Kiel haben mit ihren Publikationen zur Naturforschung im Jahr 1958 einige wichtige Ergebnisse ihrer Forschung zur sedativen und antibakteriellen Wirkung von Cannabis sativa veröffentlicht. Durch Decarboxylierung von Pflanzenteilen (Faserhanf) wurde eine wirksame Substanz isoliert, welche nachweislich an Mäusen getestet, die eben beschriebenen Effekte erzielt. Sie beschreiben sogar, dass in einem Selbstversuch diese Substanz, in vorsichtiger Dosierung, keinerlei Rauschwirkung erzielte. Es wurde aber eine entspannende Wirkung erzielt. In Folge des oben beschriebenen sedativen und antibakteriellen Effekts konnte man die Behandlung bei rheumatischen Erkrankungen und zur Desinfektion von Wunden empfehlen.

Ein weiterer Pionier in der Forschung zur antibakteriellen Wirkung von Cannabis ist der tschechische Forscher Prof. Dr. J. Kabelik. In den 1950er Jahren beschrieb er detailliert den bakterienabtötenden Effekt. Um ein wenig in der Zeit zu springen möchte ich einige Studien ab den 1990er Jahren erwähnen. Nigerianische Wissenschaftler verabreichten Ratten mit einer Trypanosomen Infektion (Parasiten die zur Schlafkrankheit führen können) ein Extrakt aus Hanfsamen. Nach kurzer Zeit der stetigen Gabe verschwanden die Symptome und Heilung trat ein. Lebende Parasiten konnten nicht mehr Körper der Ratten nachgewiesen werden.

Neben der antibakteriellen Wirkung konnten Wissenschaftler der Universität Südflorida eine antivirale Wirkung feststellen. Bei der äußerlichen Behandlung von Herpesviren konnte eine Reduktion des Virenstammes von 80% beobachtet werden. Probanden im Selbstversuch mit der THC-haltigen Lösung konnten eine signifikante Besserung feststellen.

Eine weitere, für die Menschheit sehr bedeutende Studie der Forscher Giovanni Appendino (Universität Piemonte Orientale) und Simon Gibbons (University of London) im Jahr 2008 kam zu dem Ergebnis, dass ein Extrakt aus verschiedenen Cannabinoiden in MRSA-Stämmen ähnlich wirkte wie Antibiotika. Diese multiresistenten Erreger, auch Krankenkauskeime genannt, werden immer mehr zu einem großen Problem für den Menschen. Viele Patienten stecken sich mit diesen besonderen Erregerstämmen an, weil diese Erreger eine Resistenz gegen herkömmliche Antibiotika entwickelt haben. Da die Anzahl der antibiotika-resistenten Menschen immer weiter zunimmt, setzen die Wissenschaftler nun auf die Ergebnisse von 2008 und hoffen hier eine Lösung für die menschheitsbedrohende Situation gefunden zu haben.

Quellen

PDF Studie-Schultz-Haffner-1958

PDF Studie-2008-Antibakterielle-Wirkung-von-Cannabis-Sativa

https://www.leafly.de/kann-cannabis-antibiotika-ersetzen/

Journal  of Natural Products 2008

Wikipedia

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